Einleitung
Meta plant, mit einer neuen, KI‑basierten Software die Altersverifikation auf Facebook und Instagram deutlich zu vertiefen. Dabei sollen nicht nur Texte in Beiträgen, sondern auch Objekte in Bildern und Videos analysiert werden – bis hin zur Einschätzung der Körpergröße und sogar der Knochenstruktur von abgebildeten Personen. Das erklärte Ziel: Minderjährige besser zu schützen und regulatorischen Vorgaben, vor allem der EU‑DSGVO und dem Digital Services Act, zu entsprechen.
Wie funktioniert die Inferenz‑Technik?
Der Fachbegriff "Inferenz" beschreibt das systematische Schlussfolgern aus mehreren Hinweiselementen. Metas Algorithmus kombiniert Angaben aus Profil‑Bios, Post‑Inhalten, visuellen Merkmalen und sogar biometrischen Daten, um ein Alter zu schätzen. Erscheint das Ergebnis zu jung, fordert die Plattform einen Altersnachweis. Personen unter 13 Jahren dürfen demnach keinen Account besitzen, während Jugendliche bis 18 Jahre nur im speziellen Jugendschutz‑Modus aktiv sein dürfen.
Von Texten zu Knochen
Die besonders umstrittene Komponente ist die Analyse der Knochenstruktur. Die KI soll anhand von Schatten, Konturen und Proportionen die Skelettmaße ermitteln – ein Ansatz, der bislang kaum bei großen Social‑Media‑Diensten zum Einsatz kam. Meta betont, dass es sich nicht um klassische Gesichtserkennung handle, weil keine Identität einzelner Personen festgelegt werde. Dennoch berührt die Methode sensible biometrische Daten, die nach DSGVO‑Recht streng geschützt sind.
Warum treibt Meta das Projekt voran?
Die Initiative reagiert auf die wachsende Kritik internationaler Aufsichtsbehörden. Die EU‑Kommission hat bereits erklärt, dass Meta nicht ausreichend daran arbeite, Kinder unter 13 Jahren von seinen Plattformen fernzuhalten. Verstöße gegen den DSA könnten teure Geldbußen nach sich ziehen. Durch die Einführung einer hochpräzisen Alterskontrolle will Meta zeigen, dass es regulatorische Vorgaben ernst nimmt und zugleich seinen Werbeumsatz schützen.
Rechtliche und ethische Bedenken
Datenschutzexpertinnen wie Kleanthi Sardeli von der NGO noyb warnen vor einer potenziellen Rechtsverletzung. Die Erfassung von körperlichen Merkmalen fällt unter "gesundheitsbezogene Daten" und unterliegt einem besonders strengen Schutz. Eine Verarbeitung ist nur zulässig, wenn eine klare Rechtsgrundlage und ein überwiegendes Interesse bestehen – beides ist fraglich, wenn die Analyse lediglich dem Zweck dient, das Alter zu schätzen.
Zusätzlich wirft die Praxis Fragen nach Diskriminierung, Fehlklassifikationen und dem psychologischen Effekt auf, wenn Nutzer*innen permanent unter Beobachtung stehen. Inferenzverfahren sind anfällig für Bias und können besonders bei Personen mit atypischen Körperformen zu falschen Altersbestimmungen führen.
Ausblick und Fazit
Derzeit läuft das System in den USA, Australien, Kanada, dem Vereinigten Königreich und Brasilien. Für die EU und das Vereinigte Königreich ist ein Roll‑out im Juni geplant. Beobachter*innen empfehlen, die Entwicklungen genau zu verfolgen und ggf. legislative Anpassungen vorzunehmen, die den Schutz biometrischer Daten stärken.
Die Debatte über Metas Vorgehen zeigt, dass technische Möglichkeiten rasant wachsen, aber die gesellschaftliche Akzeptanz und rechtliche Rahmenbedingungen nachziehen müssen.
Source: https://netzpolitik.org/2026/du-siehst-aber-jung-aus-meta-will-uns-bis-auf-die-knochen-ueberwachen/