Ein neuer Kontrollmechanismus bei Meta
Meta plant, seine Plattformen Facebook und Instagram künftig mit einer KI‑gestützten Altersprüfung zu versehen, die weit über das bloße Lesen von Texten hinausgeht. Die Software soll nicht nur Posts und Kurzbeschreibungen analysieren, sondern auch Objekte in Bildern und Videos untersuchen – bis hin zur Auswertung von Körpergröße und Knochenstruktur. Ziel ist, Minderjährige zu identifizieren und deren Zugriff auf die Dienste zu beschränken.
Wie funktioniert die Inferenz‑Methode?
Der technische Begriff lautet „Inferenz“. Dabei werden verschiedene Hinweise kombiniert, um das wahrscheinliche Alter einer Person abzuschätzen. Beispielsweise könnten Schulnoten, Geburtstagsfotos oder typische Jugendsprache als Signale dienen. Die KI soll diese Hinweise mit visuellen Merkmalen verknüpfen und daraus schließen, ob ein Nutzer*in noch nicht volljährig ist.
Warum reagiert Meta jetzt?
Der Schritt ist eine Reaktion auf wachsende regulatorische Forderungen, insbesondere seitens der EU‑Kommission, die Meta vorwirft, nicht ausreichend gegen Unter‑13‑Accounts vorzugehen. Ein Verstoß gegen den Digital Services Act (DSA) könnte hohe Bußgelder nach sich ziehen. Mit der neuen Technologie will Meta zeigen, dass es den Jugendschutz ernst nimmt – und gleichzeitig seine Marktposition gegenüber Konkurrenzplattformen wie TikTok oder YouTube verteidigen.
Welche Risiken birgt die Bild‑Analyse?
Die geplante Tiefenanalyse von Fotos – bis zur Erfassung der Knochenstruktur – wirft erhebliche Datenschutzfragen auf. Biometrische Daten, zu denen Körpergröße und Knochenmerkmale zählen, genießen unter der DSGVO einen besonders strengen Schutz. Ohne ausdrückliche Einwilligung dürfen sie nur in eng begrenzten Ausnahmefällen verarbeitet werden. Kritiker*innen befürchten, dass die Praxis in eine Form von Gesichtserkennung abdriften könnte, obwohl Meta betont, dass keine Personenidentifikation stattfindet.
Rechtliche Einschätzung
Datenschutzjuristin Kleanthi Sardeli von der NGO noyb warnt, dass Metas Vorgehen möglicherweise gegen die DSGVO verstößt. Die Analyse biometrischer Merkmale erfordert eine klare Rechtsgrundlage, die bislang nicht ersichtlich ist. Sollte die Praxis als unzulässig eingestuft werden, könnte dies nicht nur zu Geldstrafen, sondern auch zu einem Vertrauensverlust bei Nutzer*innen führen.
Source: https://netzpolitik.org/2026/du-siehst-aber-jung-aus-meta-will-uns-bis-auf-die-knochen-ueberwachen/