Einleitung
Eine aktuelle britische Untersuchung hat gezeigt, dass das Körperbild von Jugendlichen nicht mehr ausschließlich ein Frauenthema ist. Sowohl Mädchen als auch Jungen, die im Jugendalter einen höheren Body‑Mass‑Index (BMI) aufweisen, geben an, mit ihrem Aussehen unzufriedener zu sein.
Studienaufbau und Datengrundlage
Forscher des University College London analysierten Daten aus der Millennium Cohort Study, einem langfristigen Projekt, das über 13 000 Kinder, geboren zwischen 2000 und 2002, begleitet. Von ihrem dritten Lebensjahr an wurden Größe und Gewicht gemessen; ab dem siebten Jahr kamen Messungen von Körperfett und fettfreier Masse hinzu. Die Kombination aus BMI, Fettanteil und fettfreier Masse ermöglichte eine differenzierte Einteilung der Teilnehmenden in drei Gruppen: niedrig, durchschnittlich und hoch.
Messung der Selbstwahrnehmung
Im Alter von vierzehn Jahren wurden die Jugendlichen gefragt, wie zufrieden sie mit ihrem äußeren Erscheinungsbild seien. Die Antworten wurden auf einer Skala von null bis sechs kodiert – je höher die Punktzahl, desto größer die Unzufriedenheit.
Ergebnisse: Gleich starkes Ungleichgewicht
Die Analyse ergab, dass Jugendliche mit dem höchsten BMI‑Score im Schnitt 0,71 Punkte mehr Unzufriedenheit zeigten als ihre Altersgenossen mit niedrigem BMI. Dieser Unterschied war bei Jungen nahezu identisch mit dem bei Mädchen, was die ursprüngliche Annahme der Forschenden, dass Mädchen stärker betroffen seien, widerlegte.
Einfluss von Muskelmasse
Überraschend war, dass bei Jungen ein größerer Anteil an fettfreier Masse – also auch mehr Muskelgewebe – kaum zu einer höheren Zufriedenheit führte (Differenz von nur 0,31 Punkten). Bei Mädchen hingegen zeigte sich ein deutliches Plus von 0,79 Punkten, wenn sie mehr fettfreie Masse hatten.
Interpretation und gesellschaftlicher Kontext
Hauptforscherin Madelaine Davies Kellock erklärt, dass Schönheitsideale für beide Geschlechter stark von einem schlanken bzw. muskulösen Bild geprägt sind. Übergewicht wird nach wie vor als negativ bewertet, wodurch der Druck auf Jugendliche steigt, einem bestimmten Ideal zu entsprechen. Aktuelle Trends deuten darauf hin, dass Jungen in den letzten Jahren zunehmend unzufriedener werden, wodurch die geschlechtsspezifischen Unterschiede schrumpfen.
Fazit
Die Studie unterstreicht, dass das Selbstbild von Jugendlichen ein komplexes Zusammenspiel von körperlichen Messwerten und gesellschaftlichen Erwartungen ist. Programme zur Förderung eines gesunden Körpergefühls sollten daher geschlechtsübergreifend konzipiert werden und sowohl das Gewicht als auch die Wahrnehmung von Muskel- und Fettanteilen berücksichtigen.
Source: https://scientias.nl/niet-alleen-meisjes-ook-jongens-worstelen-als-tiener-met-hun-zelfbeeld/#respond