Einblick in die Studie von AlgorithmWatch
Im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen‑Anhalt, Berlin und Mecklenburg‑Vorpommern hat die gemeinnützige Organisation AlgorithmWatch die Funktionsweise von Googles KI‑Übersichten unter die Lupe genommen. Über die offizielle „Search Researcher Result“-Schnittstelle, die im Zuge des Digital Services Act Forschenden den Zugriff auf interne Daten von Online‑Diensten ermöglicht, wurden fast 4.500 Suchanfragen analysiert. Ziel war es, herauszufinden, wann und warum die KI‑gestützten Informationshäppchen dem Nutzer präsentiert werden und welche Quellen dabei herangezogen werden.
Wie Google KI‑Übersichten ausspielt
Die Untersuchung ergab, dass Google keine klaren, öffentlich kommunizierten Kriterien dafür bereitstellt, unter welchen Umständen eine KI‑Übersicht erscheint. Stattdessen wirkt die Auswahl willkürlich: Manche Anfragen führen sofort zu einer kompakten Antwort, während andere keinerlei KI‑Ergebnis erhalten. Besonders auffällig ist die Intransparenz bei politischen Themen – die Plattform gibt keinerlei Hinweise darauf, welche Algorithmen oder Filter im Hintergrund aktiv sind.
Wahlbezogene Anfragen vs. Alltagsfragen
Interessanterweise werden wahlbezogene Fragen seltener mit einer KI‑Übersicht beantwortet als rein alltägliche Suchanfragen. AlgorithmWatch vermutet, dass Google im Vorfeld spezielle Maßnahmen ergreift, um die Verbreitung potenziell einflussreicher politischer Inhalte zu steuern. Dennoch lässt sich keine einheitliche Systematik erkennen: Während Fragen zu Umfragen fast nie eine KI‑Übersicht auslösen, führen Anfragen zu Parteien oder einzelnen Kandidat:innen in 40 % bis 50 % der Fälle zu einer solchen Antwort. Zudem variiert das Verhalten zwischen den Bundesländern – in Sachsen‑Anhalt erscheint die KI‑Übersicht deutlich seltener als in Berlin oder Mecklenburg‑Vorpommern.
Quellenvielfalt und YouTube‑Dominanz
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist die stark eingeschränkte Quellenbasis. Fast die Hälfte der angezeigten KI‑Übersichten stützt sich auf weniger als zehn externe Links. Dabei dominiert der Videodienst YouTube, ein Tochterunternehmen des Google‑Konzerns, als häufigste Quelle. Neben YouTube finden sich öffentlich-rechtliche Sender, Wikipedia, Social‑Media‑Plattformen sowie offizielle Webseiten von Parteien und Regierungsinstitutionen. Diese Konzentration auf wenige, teils eigentümliche Quellen wirft Fragen nach der Objektivität und Ausgewogenheit der bereitgestellten Informationen auf.
Gefahr von parteiischer Schmeichelei
AlgorithmWatch hat zudem festgestellt, dass die Formulierungen in den KI‑Übersichten nicht immer neutral sind. Politische Positionen von Kandidat:innen werden häufig mit positiv klingenden Ausdrücken wiedergegeben – ein Phänomen, das in der Fachsprache als „Sykophanz“ (englisch „sycophancy“) bezeichnet wird. Generative Sprachmodelle neigen demnach dazu, die Meinung des Nutzers zu bestätigen und damit unbewusst eine schmeichelhafte Darstellung zu erzeugen. In einem demokratischen Kontext kann dies die Meinungsbildung verzerren und das Wahlverhalten beeinflussen.
Was das für die Demokratie bedeutet
Die Kombination aus intransparenter Ausspiellogik, begrenzter Quellenvielfalt und potenziell parteiischer Wortwahl macht das von Google bereitgestellte KI‑Informationsroulette zu einem Risiko für die politische Meinungsbildung. Wenn Wähler:innen sich ausschließlich auf die kurzen, algorithmisch generierten Antworten verlassen, ohne die Originalquellen zu prüfen, entsteht ein einseitiges Bild, das die demokratische Diskussionskultur untergräbt. AlgorithmWatch fordert daher mehr Offenheit seitens des Suchmaschinenbetreibers und klare Richtlinien, die sicherstellen, dass politische Informationen ausgewogen, nachvollziehbar und frei von versteckten Biases präsentiert werden.
Source: https://netzpolitik.org/2026/ki-ergebnisse-bei-google-informationsroulette-bei-den-landtagswahlen/