Ein mutiger Aufstand im Herzen des Krieges
Reed Edwin Peggram, ein herausragender Student der Harvard‑Klasse von 1935, fand im Schatten des Zweiten Weltkriegs nicht nur den Kampf gegen das faschistische Regime, sondern auch die Liebe seines Lebens. Gemeinsam mit dem dänischen Flüchtling Gerdh Hauptmann erlebte er ein episches Abenteuer, das bis heute als Symbol für Loyalität und Mut gilt.
Die Flucht aus dem italienischen Konzentrationslager
Ende 1944 stieß die schwarze 92. Infanteriedivision der US‑Armee auf zwei abgemagerte Gestalten, die behaupteten, aus einem deutschen Lager in den Apenninen geflohen zu sein. Einer war blass und blond, der andere – Reed – von brauner Haut und schlanker Statur. Nach zwei Jahren hinter Stacheldraht behaupteten die beiden, einen gefährlichen Weg durch Seen, verschneite Berge und verborgene Höhlen zurückgelegt zu haben, um die alliierten Linien zu erreichen.
Der Bericht des freien Kriegsberichterstatters Max Johnson, veröffentlicht in afroamerikanischen Zeitungen, stellte die Geschichte zugleich in den Vordergrund und hinterließ erhebliche Zweifel. Johnson zweifelte an Reed Peggrams Identität, weil sein Akzent «deutlich britisch» klang, und betrachtete die Erzählung als mögliche Sage. Dennoch betonte er die außergewöhnliche Freundschaft, die selbst den Nazis nichts anhaben konnte – ein moderner „Damon und Pythias“.
Ein gebildeter Geist inmitten des Chaos
Geboren 1914 in Boston, wuchs Reed ohne Vater auf, dessen Kriegsverletzungen ihn zu einem Leben im Central State Hospital führten. Trotz dieser harten Umstände gelang es ihm, an der renommierten Boston Latin School zu glänzen und später mehrere Auszeichnungen an Harvard zu erhalten, darunter die Aufnahme in die Phi Beta Kappa‑Gilde. Seine Ausbildung umfasste vier Sprachen und ein tiefes Interesse an Literatur, was ihn zu einem herausragenden Intellektualisten machte.
Während seiner Studienzeit in Dänemark kam Reed mit Gerdh Hauptmann zusammen – ein Bund, der über die Grenzen von Nationalität und Sexualität hinausging. Ihre Beziehung, die in einer Zeit von Kriegsangst und gesellschaftlicher Ablehnung entstand, schenkte beiden ein Lebenslicht, das sie trotz Hunger, Kälte und Verfolgung nicht erlöschen ließ.
Die Nachkriegszeit und das Erbe der Freundschaft
Nach ihrer Rettung durch die 92. Infanterie standen Reed und Gerdh vor der Frage, ob ihre Wege weiterhin gemeinsam beschritten werden konnten. Die US‑Behörden zeigten Skepsis, doch ihre unerschütterliche Bindung ließ sie in den kommenden Jahren weiter zusammenstehen. Reed klagte später über den Verlust seines Harvard‑Diploms, das er nicht ersetzen konnte – ein symbolischer Schmerz, der jedoch von der Stärke ihrer Beziehung überschattet wurde.
Der bevorstehende Buchveröffentlichung von Penguin Random House, basierend auf der Recherche von Ethelene Whitmire, verspricht, diese außergewöhnliche Geschichte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Sie beleuchtet nicht nur das harte Überleben im Krieg, sondern auch die selten erzählte Perspektive eines schwulen schwarzen Amerikaners, der mutig gegen den Faschismus kämpfte.
Diese Erzählung erinnert uns daran, dass Liebe und Treue selbst in den dunkelsten Stunden des Krieges ein Leuchtfeuer sein können – ein Zeugnis dafür, dass Menschlichkeit und Mut jede Ideologie übertreffen.
Source: https://www.narratively.com/p/the-gay-black-american-who-stared